Schimmel an der Wand: Warum Überstreichen nicht reicht
Von Bilal Akgül, Maler- und Lackierermeister · · 4 Min. Lesezeit

Schimmel an der Wand ist kein Farbproblem, sondern ein Feuchteproblem. Wer nur überstreicht, deckt die Sporen ab und sieht die Flecken nach ein paar Wochen wieder, meist an derselben Stelle. Die richtige Reihenfolge ist: Ursache finden, Schimmel entfernen, Wand trocknen, dann streichen, mit dem passenden Material. Ich erkläre Ihnen, wie ich dabei vorgehe und was Sie selbst tun können.
Woher die Feuchte kommt
Schimmel braucht Feuchte, Nährstoffe und Zeit. Nährstoffe findet er in Tapete, Kleister und Staub überall, Zeit hat er, also bleibt die Feuchte als Stellschraube. Vier Ursachen sehe ich immer wieder:
- Wärmebrücken. Außenecken, Fensterlaibungen, Rollladenkästen und Stellen hinter Schränken an der Außenwand sind kälter als der Rest des Raums. Dort schlägt sich Luftfeuchte nieder, und der Schimmel wächst als grauer Schleier in der Ecke oder hinter dem Möbelstück.
- Zu wenig Lüften und Heizen. Kochen, Duschen, Wäsche und Atmen bringen jeden Tag mehrere Liter Wasser in die Luft. Werden Räume kaum geheizt und nur gekippt gelüftet, bleibt die Feuchte drin.
- Bauschäden. Ein undichtes Dach, ein Rohrbruch, ein Riss in der Fassade oder Spritzwasser am Sockel bringen Wasser von außen in die Wand. Typisch sind runde, scharf begrenzte Flecken oder ein feuchter Streifen unten an der Wand.
- Aufsteigende Feuchte. In älteren Kellern und Erdgeschossen ohne funktionierende Sperre zieht Wasser aus dem Boden in die Wand. Die Farbe blättert, Salze blühen aus.
Die Ursache finden
Das Muster verrät viel. Schimmel oben in Außenecken und um Fenster spricht für Wärmebrücken und Lüftung. Ein Fleck mitten in der Wand oder an der Decke unter dem Bad spricht für ein Leck. Ein Streifen am Boden spricht für aufsteigende Feuchte. Ein Hygrometer für wenige Euro zeigt, ob die Luftfeuchte in der Wohnung dauerhaft über 60 Prozent liegt. Bei der Besichtigung messe ich die Wandfeuchte und sehe mir die Stelle von außen an. Wenn ein Bauschaden dahintersteckt, gehört der zuerst repariert, bei größeren Flächen oder unklarer Ursache ist ein Bausachverständiger der richtige nächste Schritt.
Kleine Stellen selbst entfernen
Das Umweltbundesamt nennt als Richtwert: Oberflächlicher Befall bis etwa einen halben Quadratmeter lässt sich selbst entfernen, wenn Sie nicht zu einer Risikogruppe gehören. Dabei gilt:
- Handschuhe, eine gut sitzende Atemschutzmaske und Fenster auf.
- Glatte Flächen mit Haushaltsreiniger abwaschen und mit hochprozentigem Alkohol aus der Apotheke nachbehandeln. Chlorreiniger gehören nicht in Wohnräume.
- Befallene Tapete nicht abwischen, sondern anfeuchten und entfernen; Kleisterreste sind Nahrung für den nächsten Befall.
- Lappen und Tapete in einen Beutel und in den Hausmüll, danach Hände und Werkzeug reinigen.
Ist die Fläche größer, der Putz weich, der Geruch muffig oder kommt der Schimmel wieder, ist das ein Fall für den Fachbetrieb.
Wie ich eine Wand saniere
- Ursache klären, gegebenenfalls mit Eigentümer oder Hausverwaltung, weil Bauschäden Sache des Vermieters sind.
- Tapete und, wenn der Pilz eingedrungen ist, den Putz entfernen. Ein Anstrich über befallenem Putz hält nicht.
- Die Fläche desinfizieren und die Wand trocknen lassen, bei Bedarf mit Bautrockner. Das kann Tage dauern, und diese Zeit gibt es nicht zu kaufen.
- Mineralisch aufbauen: Kalk- oder Silikatputz und Silikat- oder Kalkfarbe sind alkalisch und diffusionsoffen, darauf wächst Schimmel schlecht. Dispersionsfarbe und Vinyltapete sperren die Wand ab und sind an solchen Stellen die falsche Wahl.
- An echten Wärmebrücken kann eine Innendämmung mit Kalziumsilikatplatten sinnvoll sein. Das ist Planungssache und wird mit dem Eigentümer abgestimmt.
Fungizide Zusätze oder eine Anti-Schimmel-Farbe kommen erst am Ende und nur ergänzend. Sie verzögern einen neuen Befall, verhindern ihn aber nicht, wenn die Wand wieder feucht wird.
Damit er nicht wiederkommt
- Zwei- bis dreimal täglich fünf bis zehn Minuten stoßlüften, im Winter kürzer und öfter. Kippen bringt wenig und kühlt die Laibung aus.
- Räume auch bei Abwesenheit nicht auskühlen lassen. Kalte Wände sind feuchte Wände.
- Möbel an Außenwänden eine Handbreit von der Wand abrücken, damit Luft dahinter zirkuliert.
- Nach dem Duschen sofort lüften, Wäsche möglichst nicht im Wohnraum trocknen.
- Als Mieter Schimmel dem Vermieter schriftlich melden. Das ist Pflicht, und es sichert Ihre Rechte.
Wann besser der Maler
Wenn die Fläche größer ist als eine Handfläche, der Schimmel wiederkommt oder Sie die Ursache nicht sehen, sparen Sie mit einem Fachbetrieb Zeit und einen zweiten Anlauf. Ich sehe mir die Stelle an, messe die Feuchte, sage Ihnen, was Sache ist, und saniere die Wand so, dass sie trocken bleibt. Für Hausverwaltungen dokumentiere ich Befund und Sanierung mit Fotos für die Akte.
Autor
Bilal Akgül
Maler- und Lackierermeister, Inhaber des Malermeisterbetriebs Akgül in Oberhausen. Beratung, Angebot und Ausführung selbst, für Privatkunden, Hausverwaltungen und Gewerbe im Ruhrgebiet.
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Malerarbeiten
Bevor ich mit den Malerarbeiten beginne, berate ich Sie ausführlich zur Wirkung der unterschiedlichen Farben und zeige Ihnen die Farben, die am besten zum Streichen Ihrer Wände geeignet sind.
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