Fassade streichen: Der richtige Zeitpunkt und was vorher zu prüfen ist
Von Bilal Akgül, Maler- und Lackierermeister · · 4 Min. Lesezeit

Die kurze Antwort: Fassaden streicht man zwischen Frühjahr und Herbst, an trockenen Tagen mit mindestens fünf Grad, auch nachts, und nicht in der prallen Sonne. Das ist aber nur die eine Hälfte. Die andere Hälfte entscheidet sich vor dem ersten Pinselstrich: Trägt der Putz noch, sind Risse drin, sitzen Algen auf der Nordseite, zieht der Sockel Feuchte? Wer diese Fragen überspringt, streicht in zwei Jahren wieder.
Das Wetter: Was die Farbe braucht
Fassadenfarbe ist ein Beschichtungssystem, das beim Trocknen einen Film bildet. Dafür braucht sie Zeit und stabile Bedingungen.
- Temperatur. Die meisten Farben verlangen mindestens fünf Grad, manche acht. Das gilt für die Luft und für die Wand, und zwar so lange, bis der Anstrich durchgetrocknet ist. Ein warmer Oktobertag mit Frost in der Nacht ist deshalb kein Anstrichtag.
- Feuchte. Nebel, Tau und hohe Luftfeuchte lassen die Farbe zu langsam trocknen; es entstehen Schlieren und Glanzunterschiede. Nach Regen muss die Wand abtrocknen, oft einen ganzen Tag.
- Sonne und Hitze. Auf einer aufgeheizten Südwand trocknet die Farbe zu schnell an, bevor sie sich verbinden kann. Sichtbar wird das als Ansätze und Rollenränder. Ich streiche mit der Sonne herum: morgens die Ostseite, später Süd und West, wenn sie im Schatten liegen.
- Wind. Er trocknet an und trägt Staub und Pollen in die frische Fläche. Bei starkem Wind wird nicht gestrichen.
Praktisch heißt das: April bis Oktober, mit Blick auf die Vorhersage für die nächsten zwei Tage.
Der Untergrund: Was ich bei der Besichtigung prüfe
Das ist der Teil, der über die Haltbarkeit entscheidet. Bei jeder Fassade gehe ich einmal komplett herum.
- Abklopfen. Hohl klingende Stellen sind gelöster Putz. Sie müssen raus und neu verputzt werden, sonst reißt der neue Anstrich mit.
- Kreidung. Streicht man mit der Hand über einen alten Anstrich und bleibt weißes Pulver zurück, ist die Bindung weg. Dann braucht die Fläche eine festigende Grundierung, ein Anstrich darauf ohne Grund hält nicht.
- Risse. Feine Haarrisse im Putz überbrückt eine geeignete Farbe. Risse, die durch die Wand gehen, dem Mauerwerk folgen oder sich bewegen, sind ein Fall für die Rissanalyse und flexible Rissfüller, nicht für Farbe.
- Algen und Moos. Grüne oder schwarze Beläge sitzen auf der Wetter- und Nordseite und auf gedämmten Fassaden, weil die Oberfläche dort lange feucht bleibt. Sie werden gereinigt und mit einem Algenentferner behandelt, sonst wachsen sie durch die neue Farbe.
- Feuchte. Dunkle Zonen am Sockel, Ausblühungen von Salzen, abgeplatzte Farbe unten an der Wand: Hier kommt Wasser von unten oder als Spritzwasser. Die Ursache muss geklärt sein, bevor gestrichen wird.
- Alter Anstrich. Was ist drauf, Dispersion, Silikat oder Silikonharz? Das entscheidet, was darüber darf. Ein Klebeband-Test zeigt, ob er noch haftet.
Welche Farbe zu welcher Fassade passt
- Silikatfarbe verkieselt mit mineralischem Untergrund, ist sehr diffusionsoffen und hält lange. Sie braucht aber einen mineralischen Untergrund, auf alter Dispersionsfarbe funktioniert sie nicht.
- Silikonharzfarbe ist wasserabweisend und trotzdem diffusionsoffen, haftet auf fast allen tragfähigen Altanstrichen und ist deshalb mein Standard bei Sanierungen.
- Dispersionsfarbe ist günstig und deckt gut, sperrt aber stärker ab. Auf Fassaden, die Feuchte abgeben müssen, ist sie die zweite Wahl.
- Wärmedämmverbundsysteme brauchen eine dafür zugelassene Farbe und in der Regel hellere Farbtöne, weil dunkle Flächen sich stark aufheizen. Die Hersteller geben Mindestwerte für die Helligkeit vor, daran halte ich mich.
Der Farbton selbst ist Geschmack, mit zwei Grenzen: Bei Reihenhäusern und in Siedlungen lohnt der Blick auf die Nachbarn, und bei denkmalgeschützten Fassaden hat die Stadt ein Wort mitzureden.
So läuft der Anstrich ab
- Gerüst oder Arbeitsbühne stellen, Fenster, Türen und Wege abdecken.
- Reinigen mit Niederdruck und Algenentferner, lose Schichten entfernen.
- Putz ausbessern, Risse schließen, Sockel und Laibungen prüfen.
- Grundieren, passend zum Untergrund: Tiefengrund für saugende Flächen, Silikatgrund für Silikatsysteme.
- Zwischenanstrich und Schlussanstrich, jeweils mit Trockenzeit dazwischen.
Ein Fassadenanstrich auf Putz hält je nach System, Wetterseite und Zustand des Untergrunds etwa zehn bis fünfzehn Jahre. Holzfassaden brauchen früher eine Auffrischung, weil Holz arbeitet.
Wann besser der Maler
Höhe, Gerüst, Systemwahl und die Frage, was unter dem alten Anstrich steckt, sind die Punkte, an denen Selbermachen teuer wird. Ich prüfe die Fassade vor Ort, schlage ein Farbsystem vor, das zum Untergrund passt, und im Angebot stehen Gerüst, Vorarbeiten und Anstriche einzeln. Gestrichen wird, wenn das Wetter passt, nicht, wenn der Kalender es sagt.
Autor
Bilal Akgül
Maler- und Lackierermeister, Inhaber des Malermeisterbetriebs Akgül in Oberhausen. Beratung, Angebot und Ausführung selbst, für Privatkunden, Hausverwaltungen und Gewerbe im Ruhrgebiet.
Passende Leistung
Fassadenarbeiten
Die richtige Wahl des Außenputzes und das fachgerechte Aufbringen ist entscheidend für das Fassadenbild, den Witterungsschutz und die mechanische Belastung eines Gebäudes.
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